Darmstädter Echo, 24. August 2002

Sommerserenade in der Kirche

„Matthew, Mark, Luke and John“ vibrierte es am Samstag durch die evangelische Kirche Roßdorf. Das Collegium Musicum Vocale Darmstadt unter Leitung von Monika Gößwein-Wobbe nutzte die Vocale in den Namen der vier Evangelisten, um einen warmen Klang zu erzeugen. Gerade die klangliche Wirkung schien der Dirigentin bei dieser Sommerserenade für Chor und Orgel am Herzen zu liegen.
Die „Five Childhood Lyrics“ von John Rutter ... boten dem Chor Gelegenheit, seine Freude am Gestalten zu zeigen. Wortfetzen werden in einzelnen Stimmen wiederholt und bilden die Begleitung für die jeweils führende Stimmgruppe ...
In Fanny Hensels Chorliedern entwickelte das Ensemble viele Schattierungen ... In den „Trois Chansons“ von Debussy stand die großformale Gestaltung im Vordergrund. Die Mezzosopranistin Regula Böninger konnte sich gut in den Gesamtklang einfügen. Noch aufzublühen schien der Chor in den traditionelleren Stücken. „Clementine“, „Scarborough Fair“, „Waltzing Matilda“ und „Sur le pont d´Avignon“ wurden in einer reizvollen Fassung geboten. Die beherzten Tempi taten den Sängern gut.
Joachim Enders an der Orgel rundete das Programm ab. Besonders die vier Stücke aus L´Organiste moderne“ von Lefebure-Wely gerieten rhythmisch bestechend präzise. Mit geschickter Registrierung stufte Enders die Formteile ab.
Die Zuhörer sparten nicht mit Applaus, nachdem sich der Chor mit der fulminanten Opernparodieszene „Insalata Italiana“ von Richard Genee verabschiedet hatte.
"Choeur et Flutes"

Zeitung der IUHAS - Initiative Umweltschutz Juni 2002

Sommerserenade

Zum zweiten Mal präsentiert die luhas internationale Chormusik mit dem Collegium Musicum Vocale Darmstadt, diesmal ergänzt von dem Querflötenquartett Plaisir des Flutes. Musikalische Gesamtleitung: Monika Gößwein-Wobbe.

Beide Ensembles dieses Abends schlagen in ihrem Programm einen großen, sommerlich-kurzweiligen und anregenden Bogen über 300 Jahre Musikgeschichte und nicht weniger als 6 Länder der alten und neuen Welt.

Das ambitionierte und anspruchsvolle Chorprogramm umfasst die feine Frühromantik einer Fanny Hensel (1805 -1847) - Felix Mendelssohn Bartholdys nicht minder begabter komponierender Schwester - wie den klassischen Impressionismus in Reinform eines Claude Debussy (1862 -1918) oder die ideenreichen, modern verbrämten, spritzigen Kompositionen und Folksong-Arrangements der noch lebenden Engländer John Rutter und Robin Doveton (beide * 1945). Mit einem"Schmankerl zum Schmunzeln", wie schon der Titel "lnsalata Italiana" unschwer erkennen lässt, wird der Abend abgerundet mit einer romantischen Opernparodieszene von Richard Genée (1823-1895).

Diese musikalisch-künstlerische Linie setzt sich im Programm des Flötenensembles fort: stilistisch abwechslungsreiche, spritzig-witzige und virtuos-brillante Stücke ergänzen die Chormusik des Abends zu einem vollendeten Juwel selten gehörter Chor- und Flötenkunst. Musikalische Horizonterweiterung ist garantiert!


Darmstädter Echo, 30. Oktober 2000

Derbe Zecher, zarte Damen

„O Fortuna“ – mächtig und wuchtig tönt es, wenn zu Beginn von Carl Orffs „Carmina Burana“ die Schicksalsgöttin angerufen wird. Über mangelnde Klangfülle brauchten sich dabei die Zuhörer in der Otto-Berndt-Halle nicht zu beklagen, denn es waren 150 Sängerinnen und Sänger zusammengekommen: neben dem Collegium Musicum Vocale Darmstadt die Erato-Sängerschaft aus Darmstadt mit Verstärkung weiterer Mitglieder aus Köln, Mainz, Karlsruhe und München. Die beiden Pianisten Berthold Mann-Vetter und Werner Fürst und ein Schlagzeug-Ensemble der Akademie für Tonkunst zeichneten die sinnenfrohe Frühlings-Vitalität ... kontrastreich und farbig nach.
Konturenscharf und ungemein präsent war der Chorklang. Klare Diktion und plastische Artikulation blieben durchgängig gewahrt; die Intonation war vorbildlich ...
Jederzeit souverän, von tadelloser Präzision war Monika Gößwein-Wobbes musikalische Leitung: Die junge Dirigentin führte den großen Apparat mit sicherer, sachlicher Zeichengebung durch die zahlreichen rhythmisch-metrischen Klippen ...
Für die Zuhörer in der voll besetzten Halle war es eine ausgesprochen hörenswerte Aufführung, die mit lang anhaltendem Beifall aufgenommen wurde.

Albrecht Schmidt

Usinger Anzeiger, 10. März 1999

Höchstleistung zweier diszipliniert agierender Chöre

... Das Darmstädter Collegium Musicum Vocale und das Vocalensemble Wehrheim, beide von Monika Gößwein-Wobbe geleitet, hatten sich zusammengetan, um den Zuhörern ein sehr abwechslungsreiches Programm mit Musik von Johann Bach, Johannes Brahms und Joseph Rheinberger zu bieten. Abgerundet wurde der Abend durch die beiden Organistinnen Dorothea Langner und Heike Liening mit selten zu hörender Orgelmusik für vier Hände...
Das Konzert kann als rundum gelungen, ja vorzüglich bezeichnet werden und machte einmal mehr deutlich, dass es nicht unbedingt greller Effekte bedarf, wenn man sich die Aufmerksamkeit eines Publikums sichern möchte; ein subtiler, ausgefeilter Vortrag meisterhafter Musik erzielt häufig viel tiefere Wirkungen.
Bei Johann Bachs Komposition „Unser Leben ist ein Schatten“ für sechsstimmigen Chor und Fernchor demonstrierten die beiden Chöre von Anfang an einige ihrer Vorzüge. Sämtliche Sänger wirkten nicht nur äußerst konzentriert..., sondern vor allem diszipliniert. Hier gab es kein unkontrolliertes Fortissimo ...; die Musik setzte mit einem vorzüglichen, klaren Piano ein und blieb, was die Dynamik betrifft, durchweg eher verhalten, wobei aber die ständigen subtilen Nuancierungen sowie die vorzügliche Phrasierung gefielen. Auf gleicher Höhe stand die Fähigkeit der Sängerinnen und Sänger zu feinen Tempodifferenzierungen und das Bemühen um Textverständlichkeit ...
Anschließend trugen das Collegium Musicum Vocale und das Vocalensemble Wehrheim die drei Motetten op.110 von Johannes Brahms vor...  Dem Chor stellten sich hier ungemein heikle, teilweise auch ausgesprochen undankbare Aufgaben, die er dank seiner erneut kaum zu überbietenden Disziplin und der offenbar unermüdlichen Detailarbeit seiner Dirigentin Monka Gößwein-Wobbe jedoch so souverän meisterte, dass auch dieser Programmpunkt zum Musikerlebnis wurde ...
Mit einem ungemein melodiösen, von großer Herzlichkeit erfüllten Werk des ... Liechtensteiners Joseph Rheinberger ging das Konzert zu Ende... Die „Cantus Missae“ in Es-Dur geriet aufgrund der erneut ausgezeichneten Darbietung der beiden Chöre zur nahezu ungetrübten Klangschwelgerei, wobei – und dies ist nun einmal der Vorzug der von Monika Gößwein-Wobbe geleiteten Sängerinnen und Sänger – gerade einige ganz zarte Piano-Passagen ... besonders eindrucksvoll gerieten ...

Thomas Striebig
Internationale  Chortage in Prag mit Wertungssingen Februar 1994

(Wertungsbogen) Dieser Chor besitzt einen schönen Klang und eine gute Technik. Bei Josquin konnte man eine gute Balance der Stimmen vermerken. Vielleicht würde ich manchmal zu größeren dynamischen Kontrasten raten (bei Hauptmann).
Bei G.Button geht es hauptsächlich um die wunderschöne Volksliedmelodie, die im Alt ist; deshalb muss der Sopran sehr zurücktreten, damit diese Melodie hörbar wird.
Natürlich hat mich als Autor sehr die Aufführung des "Az ja pojedu" gefreut; vielleicht würde ich in der Begleitung der Melodie um weniger legato bitten: Es ist ein Reiter-Lied, der Rhythmus sollte recht markant klingen (so wie ein Schlagzeug).

Ich wünsche weitere schöne Erfolge.
Petr Eben

Darmstädter Echo, 13. Juli 1971

Geistliche Chormusik in der Friedenskirche

(awe) Es gilt, vom einem in jeder Beziehung erfreulichen Kirchenkonzert zu berichten. Schon der äußere Rahmen vermochte freundlich zu stimmen: in der Friedenskirche gähnten nicht leere Reihen, sondern es hatten sich zahlreiche Freunde der Kirchenmusik und wohl auch speziell des Ensembles eingefunden. Gut besuchte geistliche Abendmusiken sind gar nicht so häufig!

Horst Bauer hatte für sein Konzert ein ebenso eindrucksvolles wie instruktives Programm zusammengestellt. Musik von drei Zeitgenossen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ließ eine an sich weit entfernt Epoche unmittelbar lebendig werden - Schütz, Schein und Frescobaldi sind im gleichen Jahrzehnt geboren: epochale Gemeinsamkeiten und individuelle stlistische Unterschiede wurden auf engstem Raum deutlich. ...

Entscheidendes Verdienst an dieser spontanen Wirkung hatte Horst Bauer, der unauffällig und unaufwendig sein Collegium Musicum Vocale leitete und der gleichermaßen innere Ruhe und Spannung auf sein Ensemble übertrug. Es wurde "wie aus einem Guss" musiziert, sehr einheitlich in stlistischer Auffassung und dabei ohne irgendwelche historische Distanziertheit oder gar puristische Vorstellungen. Die jungen Stimmen klangen locker und unverkrampft, sie bewältigten alle Schwierigkeiten sicher und offenbar gut vorbereitet. Bemerkenswert war vor allem die bestechende Intonationsreinheit des Chores, die auch durch die zahlreichen intonatorischen Kühnheiten bei Schütz und Schein nicht zu trüben war. ...

Strahlender Abschluss war "Lobet den Herrn in seinem Heiligtum" mit beachtlichen Ansprüchen an die Standfestigkeit in hohen Lagen.

Darmstädter Echo, 17. Dezember 1968

Heinrich Schütz und seine Vorbilder
Horst Bauers Collegium sang in der Friedenskirche


... Schütz, Gabrieli und Monteverdi mit weihnachtlichen Kompositionen an einem Abend nebeneinander zu rücken war ein schöner Gedanke, den Horst Bauer mit seinem Collegium Musicum Vocale verwirklichte. ... Die inneren Beziehungen unter den gegensätzlichen Werken und ihre thematische Geschlossenheit wurden sehr vernehmlich, zumal Bauer bewusst auf jedes aufdringliche Espressivo verzichtete. Wie auf sanftem Goldgrund ertönten die Motetten Gabrielis, dynamisch ganz aus der Bewegung der Akkordballungen und der Linien modelliert, plastisch in Wort und Geste, reich gestuft in den sympathisch zurückgehaltenen Pianowerten.
Hier wie bei allen Werken war das Zurücktreten hinter die Musik zu bemerken; sie sprach sozusagen aus dem reinen Klang, mit einer bewundernswerten Objektivität, die Bauer in offenbar sehr intensiver Vorbereitung erzielt hatte.
... Die vorbildliche Ausgewogenheit dieses ungemein elastischen Chores kam vornehmlich den Gabrieli-Motetten zustatten, von denen die Verklärung des "magnum mysterium" wohl noch lange in den zahlreichen Hörern nachklingen wird.

G.A.Trumpff

Darmstädter Echo, 21. Mai 1968

Zwei frühe Bach-Kantaten in der Friedenskirche

... Diesen beiden künstlerisch und technisch anspruchsvollen Werken hat Horst Bauer mit seinem Collegium Musicum Vocale und Instrumentalisten eine eindrucksvolle, imponierende Wiedergabe angedeihen lassen. ... Horst Bauer erzielte eine Wohlgemessenheit und Plastik, die in natürlichen, sinnvollen Tempi das Detail in bemerkenswerter Elastizität und vorzüglicher Wortbehandlung aus der musikalischen Diktion gestaltete.
Zwischen den beiden Kantaten stand Bachs große Choralmotette "Jesu meine Freude" mit den geistvollen Exegesen der Römerbriefverse.
Es war ein in Werkfolge und Wiedergabe ungewöhnlicher, reicher Bach-Abend des von Horst Bauer zu solchen Leistungen inspirierten Collegium Musicum Vocale, der lange in den Hörern nachklingen wird.
GAT

Darmstädter Tagblatt, 21. Mai 1968

Chorwerke von Bach

Das Collegium Musicum unter Horst Bauer in der Friedenskirche


Horst Bauer, Kantor an der Friedenskirche, brachte mit seinem Collegium ein anspruchsvolles Konzert mit Chorwerken von J.S.Bach. Der hörenswerte Abend hätte einen noch wesentlich stärkeren Besuch (die Kirche war gut zur Hälfte besetzt) verdient.

Von den ersten Takten des einleitenden "Actus tragicus" (Kantate 106) war klar, dass Horst Bauer eine intensivere und durchdachtere Darstellung anstrebt, als man sie gemeinhin zu hören bekommt. Der Zug zur Besinnlichkeit, der Bauers Auffassung durchgehend charakterisiert, führt allerdings niemals zu kleinkarierter Detailmalerei. Erstaunlich ist vielmehr der große - dynamische und ausdrucksmäßige - Bogen seines Musizierens. Der actus tragicus war, aufs Ganze gesehen, die abgerundetste Leistung.
Im Zentrum des Programms stand die Motette "Jesu meine Freude". Bauer ließ sie ziemlich ruhevoll singen, ohne traditionell dramatische Momente hervorzuholen. Die Vorzüge der Wiedergabe in einer unaufdringlichen Genauigkeit: die Generalpausen beim "Es ist nun nichts" sind wohl selten so exakt und musikalisch einprägsam ausgehalten worden. Hören Sie die Stelle hier.

Kleinere stimmliche Mängel im Sopran, vor allem angesichts ständiger hoher Lagen, oder auch ein paar nicht völlig klare Alt-Einsätze, waren dem guten Eindruck nicht abträglich.

Hans-Klaus Jungheinrich


Darmstädter Echo, 19. Dezember 1967

Neue Orgel mit zwei Rückpositiven

Geistliche Abendmusik in der Bessunger Kirche


... Zwischen den Orgelwerken sang das Collegium Musicum Vocale unter der intensiven Gestaltung Horst Bauers zwei Motetten, von Schütz "O lieber Herre Gott" und Bachs "Jesu, meine Freude". War durch einige Erkrankungen die klangliche Ausgewogenheit ein wenig behindert, so bewirkten Intensität des Singens und bis ins Detail durchdachte Gestaltung eine Wiedergabe, die an Überzeugungskraft dem beredten Klang dieser neuen Orgel entsprach.

GAT

Darmstädter Tagblatt, 19. Dezember 1967

Im Zeichen der neuen Orgel

Geistliche Abendmusik mit dem Collegium Musicum Vocale in der Bessunger Kirche


... Horst Bauer hatte man gebeten, die Abendmusik mit seinem Collegium zu bereichern und zu ergänzen.

Das geschah in vorzüglicher Form mit zwei Motetten von Schütz und Bach. Die Konzentration und die Ruhe des Singens sind bemerkenswert genug, aber auch die ausgeglichene Gestaltung besticht im Musikalischen wie im Stilistischen. Man singt stimmlich klar und gesammelt, meditativ besonnen. Eine reiche Differenzierung und präzise Phrasierung verbinden sich mit ausgezeichneter Deklamation und sauberer wie sicherer Erarbeitung der Linien. Horst Bauer hat eine zwingende Souveränität errungen. ... Die legitime Wirkung ist durch eine Zuverlässige Verwandlung der kompositorischen Struktur in nie forcierten Ausdruck gewonnen.

Über den Anlass der Orgeleinweihung hinaus war es ein vorweihnachtliches Konzert besonderen Stils, das dankbar aufgenommen wurde.

v. Lewinski

Darmstädter Echo, 30. Mai 1967

Zwei Motetten von J.S.Bach

Das Collegium Musicum Vocale sang in der Friedenskirche


(GAT) ... Diese Motetten sind von höchstem künstlerischen Rang. Ihre beträchtlichen technischen Anforderungen, die sich aus der kunstreichen polyphonischen Verflechtung ergeben, der Achtstimmigkeit oder dem Kontrastieren zweier Gruppen, im Choral "Wie sich ein Vater erbarmet" und seiner freien Exegese des motettischen Gegenbilds, setzen ungewöhnliche künstlerische Bereitschaft und Hingabe voraus. Das von Horst Bauer in kurzer Zeit so wesentlich geförderte Collegium sang in der Friedenskirche zwei dieser herrlichen, zutiefst berührenden Werke....

Das Collegium musizierte die Motetten in leichtem, exakten Reagieren, mit einer Ausgewogenheit des Klangs, der zu den leuchtenden Sopranen auch den Mittelstimmen das rechte Gewicht gab. ... Viele aufmerkende Hörer folgten aufgeschlossen diesem Musizieren, das Bachs Kunst und Gestaltungswillen so vielfältig und überzeugend deutete.


Darmstädter Echo, 22. November 1966

Gedenken an Max Reger

Motetten und Orgelwerke in der Friedenskirche


(G.A.Trumpff) ... Das überwältigende Ereignis dieses Abends wurden zwei der späten fünfstimmigen Motetten Regers aus dem Jahr 1910. ...

Ihre technischen Anforderungen, was Intonationssicherheit und klangliche Ausgewogenheit betrifft, sind außerordentlich und nur Chören von besonderer Leistungsfähigkeit zugänglich.

Wie sie das Collegium Musicum Vocale, eine Vereinigung von etwa zwie Dutzend jungen, begeisterungsfähigen Sängern, unter Horst Bauers Führung bewältigte, in ihrer Gedanklichkeit bis in subtile Nuancen deutete und wahrhaft "sprechen" ließ, davon kann nur in dankbarer Bewunderung gesprochen werden.
...
Die äußeren Mittel einer vorbildlichen Sprachbehandlung, der prononcierten Ausfeilung der Vokale und Konsonanten und ihre nie ausgeschliffene, gleichförmige Klarheit dienen dem musikalischen Ausdruck, der gestalteten Form. In "Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn" wurde die eigenständige Stimmigkeit in exponierten Lagen, das Gegeneinander der Linien herrlich ausgebreitet, dann ganz zusammengenommen im choralartigen "Ich liege und schlafe", um sich dann in das Hymnische des letzten Abschnitts zu erheben. Bildkraft und musikalische Zeichnung hatten Elastizität der Schattierung und des Ausdrucks, wie sie nur aus einer offenbar sehr exakten Vorbereitung im Detail gewonnen werden kann. Sie hatte Horst Bauer aus der bedingungslosen Bereitschaft dieser Sänger gewonnen, von der wir nur wünschen können, dass dieses eindringende Musizieren auch künftig reiche Früchte tragen möge.
...

Darmstädter Tagblatt, 25. November 1966

Trauer- und Trostklänge Max Regers

Eine bedeutsame Kirchenmusikstunde in der Friedenskirche


(W.-E.v.Lewinski) ... Das Collegium Musicum Vocale der Friedensgemeinde sang unter Horst Bauers suggestiver Leitung auffallend eindringlich, ja erschütternd dicht in den Varianten des Trauer-Tons. Junge Menschen zeigten sich in diesem Ensemble mit einem selbstverständlichen und desto beredteren wie überzeugenderen Engagement.
Wohl ist noch nicht immer der notwendige Ausgleich zwischen den einzelnen Stimmgruppen erzielt, sicher kommen noch einige Solostimmen ungebührlich in den Vordergrund, gewiß wird man den kleinen Singkreis-Manieren des Soprans bei einigen hohen Lagen, die nicht frei wirkten, sondern die typische eingeengte Resonanz bewiesen, noch entgegen wirken können und das Detonieren wie am Ende der ersten hier gesungenen Motette vermeiden lernen - insgesamt ist jedoch ein erstaunlich markantes und zutreffendes Singen erzielt. Vor allem vom gestalteten Ausdruck her sprach das Collegium an - das Finale der "Tod"-Motette kann man sich klanglicher nicht geschlossener und formal nicht präziser gefügt denken als es hier erklang.
Horst Bauer hat mit diesem Ensemble eine neue und wesentliche Aufgabe sinnreich gemeistert ....
Es bleibt allein betrüblich, dass sich verhältnismäßig wenig Hörer eingefunfen hatten. Es sollte sich doch endlich herumsprechen, wie fundiert und wesentlich in der Friedenskirche musiziert wird.

Darmstädter Echo, 9. November 1965

Italienische und deutsche Frömmigkeit

Geistliche Chormusik in der Friedenskirche


(awe)... Der Chor ist zahlenmäßig nicht allzu stark und setzt sich aus jungen Stimmen zusammen, was sich vorteilhaft auf den Gesamtklang auswirkt: er ist lebendig und unverbraucht. Gewiß hat ein Laienchor dieser Größe seine natürlichen, nicht allzu weit gezogenen Grenzen. Und der Einwand, Horst Bauer habe sich doch ein klein wenig zuviel vorgenommen mit diesen bis zu achtstimmigen Werken, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Ein runder und einheitlicher Chorklang setzt naturgemäß eine nicht zu geringe Anzahl von Sängern in jeder einzelnen Stimme voraus. Viel wichtiger aber erscheint eigentlich nach dem Eindruck dieses Abends zu sein, dass hier wirklich jeder einzelne konzentriert und begeistert mit an der Verantwortung trug. So ergab sich ein von Anfang bis Ende gleichermaßen intensives und erlebtes Singen ohne wesentliche Ermüdungserscheinungen, trotz des anspruchsvollen Programms. Dieses Ergebnis bestätigt Horst Bauer in seiner geleisteten Arbeit.
...
Horst Bauer und seinem Chor wäre für die Zukunft bei seinen Konzerten eine besser besetzte Kirche zu wünschen.

Darmstädter Tagblatt, 9. November 1965

"Dreidimensionale" Musik

Das Collegium Musicum Vocale in der Friedenskirche


Horst Bauer ließ mit seinem Collegium die Kunst der alten Venezianer wieder aufleben: in einer geistlichen Abendmusik brachte er "dreidimensionale" Musik. Auf 2 Emporen stellte er je eine Hälfte des Doppelchores auf; die Klangwirkung war ungewohnt und verblüffend, freilich für den Kenner von hohem Reiz, denn es spielte der Raum gleichsam mit.
...
Der musikalische Eindruck, von der Seiten- und der Hinterempore zugleich ausgehend, war ungemein stark; die Doppelchörigkeit wurde durch die getrennte Aufstellung wirklich sinnfällig und als musikalischer "Parameter" relevant.
...
Die musikalische Einstudierung der 3 frühbarocken Werke mit dem leistungsfähigen Collegium war vorzüglich. ... Die "Exequien" wurden differenziert und stilistisch sorgfältig vorgetragen. Bauer machte die Barockmusik lebendig, indem er ganz vom vokalen Impuls her gestaltete. Der in allen Stimmen vorzüglich besetzte und vor allem äußerst aufmerksame Chor folgte ihm dabei sehr gut. ... Die Orgelbegleitung von Hans Martin Balz zeigte sich allerdings gelegentlich als das einzig Problematische des Abends: der untemperiert und leicht zum "Steigen" aufgelegte Chor war fast ständig mit der Positiv-Begleitung uneins.
...
Trotzdem: eine vorbildliche Abendmusik. Ein großer Erfolg für die musikalische Arbeit Horst Bauers und der Friedensgemeinde.

j

Darmstädter Tagblatt, 29. Juni 1965

Das erste Konzert

Drei Bach-Kantaten zur Einweihung der Friedenskirche


Die neuerstandene evangelische Friedenskirche im Stadtzentrum, aber an einer stillen Straße gelegen, eignet sich vorzüglich für Kirchenmusik. ... Kantor Horst Bauer kam auf Anhieb mit den räumlichen Gegebenheiten zurecht und musizierte ... sehr ansprechend und eindrucksvoll.
...
Der relativ kleine Chor - etwa 25 Sänger - bewältigte die mannigfachen Aufgaben sehr geschickt. Er war gut studiert, die Einsätze kamen im Ganzen sicher und präzise. Ein wenig Mühe machten die weit auseinanderliegenden Einsätze im Einleitungschor der zweiten Kantate. Frauen- wie Männerstimmen klangen sauber und meistens auch kräftig genug, um sich gegen die oft sehr bewegten Orchesterstimmen behaupten zu können. Der Text war nicht immer zu verstehen; besonders auf die Konsonantenbehandlung wäre größerer Wert zu legen.
...
Horst Bauer gefiel als ruhiger, ebenso freundlicher wie aufmerksamer Dirigent. ... Ein festlicher Abend. Man darf gespannt sein auf die Musik in der Friedenskirche.

Hans-Klaus Jungheinrich

Darmstädter Echo, 29. Juni 1965

Dankopfer in Tönen

Drei Bach-Kantaten zur Einweihung von Darmstadts Friedenskirche


Den festlichen Tag zur Einweihung der Friedenskirche beschlossen 3 Kantaten von Johann Sebastian Bach.
...
Das Collegium Musicum Vocale bewältigte die anspruchsvolle Chor-Polyphonie in rechter Ausgewogenheit und sorgfältiger Sprachbehandlung, nicht zuletzt in den schwingenden Melismen, in der Prägnanz der Themengestaltung, vor allem aber in der bewegten Statik des eigentlichen Vorwurfs, der Verkündigung des klanggewordenen Wortes.
...
Es war ein ganz unprätentiöses, aber zutiefst anrührendes Musizieren in der souveränen, geistlichen Sprache Bachs, die unter Horst Bauers Deutung die Herzen der Hörer dankbar bewegte.

GAT

Darmstädter Echo, 6. April 1965

Passionsmusik des Frühbarock in der Stiftskirche

... Im Mittelpunkt des Abends stand Heinrich Schütz' geniales Alterswerk, die "Historia des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heilands Jesu Christi nach dem Evangelisten Matthäus". Das von Horst Bauer geleitete und inspirierte Collegium Musicum Vocale bot in der akustisch hellen Stiftskirche eine Aufführung, die in ihrem dramatischen Zuschnitt, in der Plastik und Unmittelbarkeit der klanglichen Ausformung an Holzschnitt-Passionen früherer Zeiten erinnerte, in den dramatisch anpackenden Chören wie in den Partien der Soliloquenten.
...
Das Collegium Musicum Vocale, das sich mit seinen jungen Kräften mutig an eine so schwierige Aufgabe gewagt hatte, überraschte durch die bemerkenswerte Ausgewogenheit und Vitalität des Chorklangs, die hier bereits beim ersten Unterfangen erzielt wurden. Es waren wissende, musikalische Sänger, die von Horst Bauer sehr zielstrebig und bewusst in diese vehemente, leidenschaftliche Musiksprache eingeführt waren. Es wäre zu wünschen, dass sich dieses juinge Collegium weiterhin solch wichtigen Aufgaben zuwenden würde und damit durch seine eigene Geprägtheit, durch die sehr vernehmliche stilistische Sorgfalt und Kenntnis dem Musikleben unserer Stadt eine wesentliche Komponente hinzufügen würde. Die Voraussetzungen sind gegeben, die starken Eindrücke, die dieser Beginn den aufmerkenden Hörern vermittelte, sollten zu weiterer musikalischer Arbeit ermuntern.

GAT